Spielen lässt es sich hier nur mit eingeschaltetem JavaScript. Zum Nachlesen stehen alle Fragen mit ihren Auflösungen und Quellen aber trotzdem hier — und als Set zum Ausdrucken.
Runde 1 · Die Lage
Wie schlimm ist es wirklich?
1. Im Jahr 2002 gab es in Deutschland rund 46.500 Kneipen. Wie viele sind es heute? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: rund 21.000
Mehr als jede zweite Kneipe ist seit der Jahrtausendwende verschwunden — die Umsatzsteuerstatistik weist für 2022 rund 21.000 Schankwirtschaften aus. Das ist kein schleichender Wandel mehr, sondern ein Strukturbruch. Er macht nur selten Schlagzeilen, weil jede einzelne Schließung klein aussieht.
Merksatz: Seit 2002: mehr als jede zweite Kneipe weg.
Quelle:
Destatis-Umsatzsteuerstatistik (Zeitreihe) — Eine Reihe, eine Quelle: Destatis-Umsatzsteuerstatistik WZ 56.3.
2. Wie viele Kneipen verliert Deutschland im Schnitt — netto, also nach Abzug aller Neueröffnungen? (auch in der kurzen Runde)
- a) eine pro Woche
- b) eine pro Tag
- c) drei pro Tag
- d) zehn pro Tag
Antwort: drei pro Tag
Aus der Destatis-Zeitreihe gerechnet: rund 25.500 Betriebe weniger in zwanzig Jahren, also etwa 1.300 pro Jahr oder gut drei pro Tag. Das ist ein Netto-Wert — Neueröffnungen sind schon abgezogen, es schließen also mehr. Während dieses Quiz läuft, ist rechnerisch gerade wieder ein Stück Dorfmitte verschwunden.
Merksatz: Drei Kneipen pro Tag.
Quelle:
Destatis-Umsatzsteuerstatistik (Zeitreihe) — Eigene Rechnung aus der Destatis-Zeitreihe (46.500 im Jahr 2002 auf rund 21.000 im Jahr 2022).
3. Berlin hatte einmal rund 20.000 Eck- und Kiezkneipen. Wie viele sind es heute noch?
Antwort: etwa 500
Ausgerechnet in der Stadt, die als Kneipenhauptstadt gilt, ist die klassische Eckkneipe fast verschwunden — verdrängt von Mieten, Bars und Cafés. Was bleibt, wird gerade von einer jungen Generation wiederentdeckt.
Merksatz: Berlin: von 20.000 Eckkneipen sind etwa 500 übrig.
Quelle:
DEHOGA Berlin, via Tageskarte
4. In Sachsen-Anhalt gibt es Gemeinden, in denen keine einzige Gaststätte mehr existiert.
Antwort: Richtig — 18 Gemeinden
Zwischen 2010 und 2024 schlossen dort 841 Gastronomiebetriebe; in Kleinstädten verschwand jeder dritte. Keine Gaststätte heißt: kein Ort für die Feuerwehrfeier, den Skatabend, den Leichenschmaus. Das Dorf hat dann buchstäblich kein Wohnzimmer mehr.
Merksatz: 18 Gemeinden in Sachsen-Anhalt: ganz ohne Gaststätte.
Quelle:
Landtagsanfrage Sachsen-Anhalt
5. Wie steht die getränkegeprägte Gastronomie — also die klassische Kneipe — heute wirtschaftlich da, verglichen mit 2019 (real, also nach Abzug der Preissteigerungen)?
- a) etwa gleich
- b) rund 10 Prozent darunter
- c) rund 25 Prozent darunter
- d) rund 40 Prozent darunter
Antwort: rund 40 Prozent darunter — genau minus 39,7 Prozent
Die Kneipe ist das mit Abstand schwächste Segment des gesamten Gastgewerbes; die Branche insgesamt liegt bei minus 14,8 Prozent. Corona war der Brandbeschleuniger, aber nicht die Ursache. Die liegt tiefer: Kosten, Konsumwandel und ein Ausgehverhalten, das sich ins Wohnzimmer und aufs Handy verlagert hat.
Merksatz: Die Kneipe ist das schwächste Glied der Gastronomie: real minus 40 Prozent seit 2019.
Quelle:
DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025
Runde 2 · Die Ökonomie
Warum reicht es hinten und vorne nicht?
6. Ein Bier kostet in der Dorfkneipe 3,00 Euro. Wie viel davon bleibt der Kneipe am Ende als Gewinn? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: etwa 2 Cent
Zuerst gehen 48 Cent Mehrwertsteuer ab — 19 Prozent, denn für Getränke gilt der ermäßigte Satz nicht. Vom Rest bleibt am Ende sehr wenig: Branchenzahlen weisen für die getränkegeprägte Gastronomie eine Marge von minus 2 bis plus 3 Cent je Euro Umsatz aus, auf ein 3-Euro-Bier gerechnet also ein paar Cent — oder ein Minus. Deshalb entscheidet jeder einzelne Stammtisch über Leben und Sterben eines Betriebs.
Merksatz: Vom 3-Euro-Bier bleiben der Kneipe etwa 2 Cent.
Quellen:
DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025 · Gastroinsider, Branchen-Benchmarks — Belegt ist die Marge je Euro Umsatz (minus 2 bis plus 3 Cent). Die 48 Cent Mehrwertsteuer und die Umrechnung auf das 3-Euro-Bier sind eigene Rechnung.
7. Von jedem Euro Umsatz — was ist der größte Kostenblock einer Kneipe?
- a) der Einkauf der Getränke
- b) das Personal
- c) die Pacht
- d) die Energie
Antwort: das Personal — rund 40 Cent von jedem Euro
Der Getränkeeinkauf liegt mit 28 bis 32 Cent knapp dahinter, Pacht und Energie folgen mit deutlichem Abstand. Keine andere Sparte des Gastgewerbes erwirtschaftet so wenig Umsatz je Arbeitskraft wie die Kneipe. Viele Dorfkneipen überleben nur, weil die Wirtin ihren eigenen Lohn nicht mitrechnet — das ist keine Strategie, das ist die Vorstufe der Schließung.
Merksatz: Der größte Posten ist der Mensch hinterm Tresen — und der wird oft nicht bezahlt.
Quellen:
DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025 · BMEL-Statistik Gastgewerbe
8. Die große Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie (7 statt 19 Prozent) hilft vor allem den Kneipen. (auch in der kurzen Runde)
Antwort: Falsch
Die 7 Prozent gelten seit 2026 dauerhaft — aber nur für Speisen. Getränke bleiben bei 19 Prozent, die getränkegeprägte Kneipe profitiert von der größten Gastro-Entlastung der letzten Jahre also kaum. Nebenwirkung mit Ansage: Wer als Kneipe einen Mittagstisch anbietet, hat steuerlichen Rückenwind.
Merksatz: 7 Prozent gibt es nur aufs Schnitzel — das Bier zahlt weiter 19.
Quelle:
Steueränderungsgesetz 2025
9. 2013 trank jeder Mensch in Deutschland im Schnitt 106 Liter Bier im Jahr. Wie viel war es 2023?
Antwort: 88 Liter
Der Rückgang ist kein Kneipen-, sondern ein Gesellschaftstrend — und er ist eine Chance: Wirtinnen berichten, dass alkoholfreie Bestellungen zunehmen, gerade bei jungen Gästen. Die Kneipe der Zukunft lebt von Begegnung, nicht von Promille.
Merksatz: Es geht um Begegnung, nicht um Promille — alkoholfrei bringt neue Gäste.
Quelle:
watson.de-Reportage (Uni Osnabrück)
10. Dartautomat, Flipper, Billardtisch, Musikbox: Was kostet diese Ausstattung eine Kneipe üblicherweise?
- a) den vollen Neupreis
- b) eine Monatsmiete
- c) nichts — der Aufsteller stellt sie kostenlos und teilt sich die Einnahmen
- d) das gibt es nicht mehr
Antwort: nichts — der Aufsteller stellt sie kostenlos
Das Aufsteller-Modell ist so alt wie die Musikbox: Der Automatenaufsteller bringt die Geräte, wartet sie und teilt den Umsatz mit dem Wirt. Null Investition, laufende Zusatzeinnahme. Und ausgerechnet Dart, Kicker und Flipper sind die Magneten, mit denen junge Leute gerade die Kneipe wiederentdecken.
Merksatz: Die Dartscheibe kostet die Kneipe nichts — und bringt die Jungen.
Quellen:
Hotelier.de zum Aufstellvertrag · watson.de-Reportage (Uni Osnabrück)
Runde 3 · Der Mensch
Was macht die Kneipe mit uns?
11. Menschen ohne Stammkneipe haben im Schnitt 6,0 enge Freunde. Wie viele haben Menschen mit Stammkneipe? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: 7,2
Mehr als ein Freund Unterschied — gemessen von der Oxforder Forschungsgruppe um Robin Dunbar. Menschen mit Stammkneipe vertrauen anderen außerdem mehr und sind zufriedener mit ihrem Leben. In kleinen Nachbarschaftskneipen sind Gespräche nachweislich länger und persönlicher als in großen Lokalen.
Merksatz: Stammkneipe: im Schnitt ein enger Freund mehr.
Quellen:
Dunbar u. a. 2017 (begutachtete Fassung) · Dunbar, „Friends on Tap“ (CAMRA) — Zuerst genannt ist die peer-reviewte Fassung von 2017; die Ursprungsstudie war ein Auftragsbericht für die Pub-Organisation CAMRA.
12. Welche Altersgruppe fühlt sich in Deutschland am häufigsten stark einsam? (auch in der kurzen Runde)
- a) die über 75-Jährigen
- b) die 55- bis 65-Jährigen
- c) junge Erwachsene
- d) alle etwa gleich
Antwort: junge Erwachsene — 14,1 Prozent
Der Wert stammt aus dem Einsamkeitsbarometer 2024, Datenstand 2021. Einsamkeit ist kein Alte-Leute-Thema — und genau das erklärt einen der überraschendsten Trends der Gegenwart: Die Generation, die mit dem Handy aufwuchs, entdeckt die Kneipe neu. Dartscheibe statt Bildschirm, echte Runde statt Gruppenchat.
Merksatz: Am einsamsten sind die Jungen — und sie entdecken die Kneipe gerade neu.
Quelle:
Einsamkeitsbarometer 2024 (BMFSFJ)
13. Im Osten Deutschlands fühlen sich die Menschen einsamer als im Westen. (auch in der kurzen Runde)
Antwort: Falsch
Die Daten zeigen keinen Ost-West-Unterschied bei der Einsamkeit; das größte Risiko ist ein niedriges Einkommen. Was im Osten überproportional verschwindet, sind die Orte: In der Uckermark hat zwischen 2010 und 2023 die Hälfte aller Schankwirtschaften geschlossen. Das Problem ist nicht das Gefühl der Menschen — es ist die Infrastruktur der Begegnung.
Merksatz: Der Osten ist nicht einsamer — ihm fehlen die Orte.
Quellen:
DIW-Wochenbericht 5/2025 · Tagesspiegel zur Uckermark
14. Gute soziale Einbindung wirkt auf die Lebenserwartung ungefähr so stark wie …
- a) täglich ein Apfel
- b) ein Fitnessstudio-Abo
- c) mit dem Rauchen aufzuhören
- d) gar nicht messbar
Antwort: mit dem Rauchen aufzuhören
Eine Auswertung von 148 Studien zeigt: Menschen mit starken sozialen Beziehungen haben eine um rund 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit — der Effekt ist so groß wie der eines Rauchstopps. Freundschaften zu pflegen ist Gesundheitsvorsorge. Orte, an denen sie nebenbei entstehen, sind es auch.
Merksatz: Gemeinschaft wirkt wie ein Rauchstopp — nur schmeckt sie besser.
Quelle:
Holt-Lunstad u. a. 2010, PLOS Medicine
15. Chicago, Hitzewelle 1995, über 700 Tote. Zwei fast identische, gleich arme Nachbarviertel hatten völlig unterschiedliche Sterberaten. Was machte den Unterschied?
- a) mehr Geld
- b) mehr Krankenhäuser
- c) mehr Klimaanlagen
- d) belebte Straßen, Läden und Treffpunkte
Antwort: belebte Straßen, Läden und Treffpunkte
Der Befund stammt aus Eric Klinenbergs Untersuchung der Hitzewelle, „Heat Wave“ von 2002: Das Viertel mit intakten Alltagsorten gehörte zu den sichersten der ganzen Stadt, weil Menschen, die sich vom Sehen kennen, nacheinander schauen. Den Begriff „soziale Infrastruktur“ prägte Klinenberg später, in „Palaces for the People“ (2018) — gemeint sind Orte, die so überlebenswichtig sind wie Strom- und Wassernetze. Die Kneipe ist einer davon.
Merksatz: Orte, an denen man sich kennt, retten im Ernstfall Leben.
Quelle:
Klinenberg, „Heat Wave“ / „Palaces for the People“ — Zwei Werke, ein Beleg: der Chicago-Befund aus „Heat Wave“ (2002), der Begriff aus „Palaces for the People“ (2018).
Runde 4 · Das Comeback
Was hilft wirklich?
16. Nordrhein-Westfalen fördert „Dritte Orte“ — Häuser für Kultur und Begegnung auf dem Land — mit bis zu 450.000 Euro über drei Jahre. Was passierte, als die Förderung auslief?
- a) Die meisten Orte trugen sich selbst
- b) Das Land musste eine Anschlussförderung nachschieben
- c) Die Kommunen übernahmen
- d) Das Programm wurde eingestellt
Antwort: Das Land musste eine Anschlussförderung nachschieben
Selbst so großzügig geförderte Orte trugen sich nach drei Jahren nicht selbst — das Land schob eine Stabilisierungsförderung nach: 120.000 Euro über drei weitere Jahre, von Jahr zu Jahr weniger. Die Frage „Wovon lebt der Ort danach?“ muss vom ersten Tag an beantwortet sein.
Merksatz: Nach der Förderung ist vor der Frage: Wovon lebt der Ort dann?
Quelle:
Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW
17. In Großbritannien kaufen Dörfer ihre Pubs gemeinsam — jeder hält einen Anteil. Wie viel Prozent dieser Kneipen in Bürgerhand überleben? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: 92 bis 99 Prozent
Fast alle halten sich — zum Vergleich scheitern normale Gastronomie-Gründungen reihenweise. Der Mitbesitz selbst ist der Überlebensfaktor: Wer 500 Euro gezeichnet hat, kommt auch am Donnerstag, bringt die Nachbarn mit und lässt „seine“ Kneipe nicht fallen. Der Weg dahin ist allerdings lang — nur eine von neun Gruppen schafft die Übernahme überhaupt.
Merksatz: Wer mitbesitzt, kommt auch donnerstags.
Quellen:
Morning Advertiser 2026 · Plunkett UK, Community Pubs 2024
18. Ein britisches Programm fördert Pubs mit kleinen Zuschüssen plus Beratung durch Branchenprofis. Wie viel Nutzen für die Gemeinschaft stiftet dort jedes investierte Pfund? (auch in der kurzen Runde)
- a) etwa 1 Pfund
- b) etwa 3 Pfund
- c) über 8 Pfund
- d) etwa 20 Pfund
Antwort: über 8 Pfund
Der Trick ist nicht das Geld, sondern die Kombination: kleiner Zuschuss plus Wissen. Die Gegenprobe lieferte Österreich — dort bekamen Wirtshäuser bis zu 10.000 Euro ohne Auswahl und ohne Begleitung, und von 57 geförderten Lokalen war rund jedes fünfte bald wieder zu. Gleiche Summe, ohne Begleitung: verpufft.
Merksatz: Beratung vor Geld — Geld allein rettet keine Kneipe.
Quellen:
gov.uk zu Pub is The Hub · WKO zur Wirtshausprämie · profil zur Wirtshausprämie
19. Frankreich belebt mit dem Programm „1000 cafés“ Dorfcafés wieder. Wie viel Prozent des Budgets fließen dort in die Begleitung der Wirtsleute — Auswahl, Training, Netzwerk?
Antwort: 71 Prozent
71 Prozent des Budgets sind Begleitpersonal — fast drei Viertel des Geldes gehen in Menschen, nicht in Mauern. Die Franzosen haben verstanden, was alle erfolgreichen Programme eint: Die Wirtsperson ist das Nadelöhr — und die wichtigste Investition.
Merksatz: Menschen statt Mauern.
Quelle:
Groupe SOS, „1000 cafés“ 2024
20. Der Politikwissenschaftler Oliviero Angeli (TU Dresden) bringt es auf einen Satz: „Entscheidend ist nicht das Bier, sondern …“ (auch in der kurzen Runde)
- a) der Preis
- b) die Öffnungszeit
- c) die Lage
- d) die Begegnung
Antwort: die Begegnung
Kneipen sind Infrastruktur gegen Polarisierung: Dort begegnen sich Menschen, die sonst wenig miteinander zu tun haben, und reden über den fehlenden Radweg statt über die großen Empörungsthemen. Wer zuhört, korrigiert die eigenen Vorurteile. Genau deshalb ist das Kneipensterben mehr als ein Branchenproblem — und das Comeback mehr als Nostalgie.
Merksatz: Entscheidend ist nicht das Bier, sondern die Begegnung.
Quelle:
Angeli (TU Dresden), dpa/ZEIT
Runde 5 · Tresenwissen
Woher kommt das alles eigentlich?
101. Woher kommt das Wort „Kneipe“?
- a) vom Kneifen der Kellnerin
- b) aus der Studentensprache des 18. Jahrhunderts
- c) vom niederländischen „knijp“ für den Zapfhahn
- d) von Kneipp, dem Wasserdoktor
Antwort: aus der Studentensprache des 18. Jahrhunderts
Die „Kneipschenke“ kam im 18. Jahrhundert im Obersächsischen auf, die Studentensprache kürzte sie zu „Kneipe“. Wahrscheinlich — so vorsichtig sagt es das Wörterbuch — steckt darin „kneipen“ für zusammendrücken, einengen: der beklemmend enge Raum. Gemeint war zuerst die kleine, minderwertige Schenke. Aus dem Spottnamen wurde ein Ehrentitel, denn die Enge war nie der Mangel. Sie ist das Konzept: Wer dicht an dicht sitzt, kommt ins Gespräch.
Merksatz: Die Enge ist das Konzept.
Quelle:
DWDS, Wortgeschichte „Kneipe“ — Das DWDS führt die Herleitung über „kneipen“ als „wahrscheinlich“ — deshalb steht sie hier als Vermutung, nicht als Tatsache.
102. Das englische „Pub“ ist die Abkürzung wofür?
- a) public bar
- b) public house
- c) people’s union bar
- d) gar keine Abkürzung
Antwort: public house
Seit 1859 ist „pub“ als Kurzform von „public house“ belegt — dem öffentlichen Haus. Die Engländer haben ins Wort geschrieben, was eine Kneipe ist: ein Wohnzimmer, das allen gehört. Genau das meint die Forschung, wenn sie vom „dritten Ort“ spricht — dem Ort neben Zuhause und Arbeit.
Merksatz: Pub heißt öffentliches Haus: das Wohnzimmer für alle.
Quelle:
Online Etymology Dictionary, „pub“
103. Das Reinheitsgebot von 1516 erlaubt Wasser, Gerste und Hopfen. Welche Zutat fehlt, ohne die kein Bier entsteht?
- a) Kohlensäure
- b) Zucker
- c) Hefe
- d) Salz
Antwort: Hefe
Der Wortlaut von 1516 nennt allein „Gersten, Hopffen und Wasser“. Unbekannt war die Hefe deshalb nicht — die Bamberger Verordnung von 1489 führte sie ausdrücklich auf, und gebraut wurde immer mit ihr. Unbekannt war ihre Wirkung: Erst Pasteur wies rund 340 Jahre später nach, dass Hefe Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure verwandelt. Die Kohlensäure im Glas ist also ihr Werk — keine Zutat.
Merksatz: Die Hefe fehlt im Reinheitsgebot. Gebraut hat sie trotzdem.
Quellen:
Historisches Lexikon Bayerns · Deutscher Brauer-Bund — Zwei Belege: der Wortlaut der Verordnung im Historischen Lexikon Bayerns, die Begründung („Wirkungsweise damals noch nicht bekannt“) beim Deutschen Brauer-Bund.
104. Im bayerischen Eilsbrunn steht das laut Guinness-Buch älteste durchgehend betriebene Wirtshaus der Welt. Seit wann wird dort ohne Unterbrechung ausgeschenkt?
Antwort: 1658
Die Gaststätte Röhrl schenkt seit 1658 aus, in Familienhand, inzwischen in der elften Generation; das Guinness-Buch hat das 2010 anerkannt. Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte Kriege, Krisen und Moden — und immer noch offen. Kneipensterben ist kein Naturgesetz. Es gab immer einen Weg weiterzumachen.
Merksatz: Seit 1658 durchgehend offen — Kneipensterben ist kein Naturgesetz.
Quelle:
Gaststätte Röhrl, Eilsbrunn
105. Wie viele Brauereien gibt es heute ungefähr in Deutschland?
Antwort: rund 1.400
Destatis zählt für 2025 genau 1.415 Brauereien, 588 davon in Bayern — mehr als in fast jedem anderen Land der Welt. Am Bier liegt das Kneipensterben also nicht. Es liegt an den Orten, an denen man es zusammen trinkt. Wobei auch diese Reihe nach unten zeigt: 2024 waren es noch 1.459.
Merksatz: Rund 1.400 Brauereien. Es fehlt nicht am Bier, sondern am Ort.
Quelle:
Destatis, Brauwirtschaft 2025
106. Was ist ein „Herrengedeck“?
- a) ein reserviertes Stammtisch-Set
- b) Bier plus Korn
- c) das Frühstück des Wirts
- d) zwei Bier gleichzeitig
Antwort: Bier plus Korn
Ein Bier und ein Schnaps, nebeneinander serviert — der Klassiker der Eckkneipe. Was genau daneben steht, ist allerdings Landessache: im Ruhrgebiet Korn, in Berlin Jägermeister, in Ostdeutschland und Hamburg ein Piccolo Sekt. Wer jetzt „bei uns ist das aber Sekt“ ruft, hat also auch recht. Der Name bleibt überall ein Augenzwinkern: „Gedeck“ klingt nach feiner Küche und meint das Gegenteil.
Merksatz: Herrengedeck: ein Bier, ein Schnaps — der Rest ist Landessache.
Quellen:
DWDS, „Herrengedeck“ · Wikipedia, Regionalvarianten — Der Kern — ein Bier und ein Schnaps — steht im DWDS. Die Regionalvarianten fassen wir nach Wikipedia zusammen; eine institutionelle Fundstelle dafür gibt es nicht.
107. Wie heißt der Kellner im Kölner Brauhaus?
- a) Schängche
- b) Köbes
- c) Halver Hahn
- d) Zappes
Antwort: Köbes
Der Name geht auf Jakobus zurück, auf Kölsch „Köbes“. Dazu gehören blauer Wollpullover, Lederschürze, Ledergeldbeutel und der metallene Kranz voller Kölschgläser — und eine Ruppigkeit, die Teil des Rituals ist: Nachschub kommt ungefragt, bis der Gast den Deckel aufs Glas legt. Bestellen ist im Brauhaus keine Dienstleistung, sondern ein Spiel.
Merksatz: Der Köbes bringt nach, bis der Deckel aufs Glas kommt.
Quelle:
KölnTourismus zum Köbes
108. Was ist im Ruhrgebiet eine „Trinkhalle“?
- a) eine Sporthalle mit Ausschank
- b) das Büdchen an der Ecke
- c) eine Bierzelt-Bauform
- d) ein Brauerei-Lager
Antwort: das Büdchen an der Ecke
Kiosk, Treffpunkt und Nachrichtenzentrale in einem. Die Buden kamen ab den 1870er Jahren auf — als Trinkhallen für industriell abgefülltes Mineralwasser — und sicherten später oft Kriegsinvaliden und Bergmannswitwen die Existenz. 2020 hat NRW sie als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Von einst über 20.000 Kiosken sind rund 2.000 übrig: dieselbe Geschichte wie beim Kneipensterben, nur im Taschenformat.
Merksatz: Von 20.000 Büdchen sind rund 2.000 geblieben.
Quelle:
LVR-Institut für Landeskunde
109. In Altenburg in Thüringen, der Geburtsstadt des Skats, gibt es bis heute eine Institution. Welche?
- a) ein Skat-Ministerium
- b) das Internationale Skatgericht
- c) eine Skat-Universität
- d) ein Denkmal für den Buben
Antwort: das Internationale Skatgericht
Gegründet 1927 auf dem 11. Skatkongress in Altenburg — zunächst, um aus den regional verschiedenen Spielweisen ein einheitliches Regelwerk zu machen. Bis heute entscheidet es Streitfälle vom Wirtshaustisch schriftlich und mit Begründung; 2011 waren es über 400 Anfragen. Vielleicht die deutscheste Einrichtung überhaupt: Selbst am Stammtisch gibt es eine Berufungsinstanz.
Merksatz: Selbst am Stammtisch gibt es eine Berufungsinstanz.
Quelle:
Deutscher Skatverband
110. Warum heißen so viele Dorfgasthäuser in Brandenburg und Norddeutschland „Krug“?
- a) nach dem Bierkrug
- b) „Krug“ ist ein altes norddeutsches Wort für Schankwirtschaft
- c) nach einer Wirtsfamilie Krug
- d) reiner Zufall
Antwort: „Krug“ ist ein altes norddeutsches Wort für Schankwirtschaft
Mittelniederdeutsch „krōch“ hieß Wirtshaus, Schenke — daraus wurde auch das niederländische „kroeg“; im 16. Jahrhundert wanderte das Wort ins Hochdeutsche. Mit dem „Krugrecht“ verlieh der Landesherr die Erlaubnis zum gewerbsmäßigen Ausschank, oft gekoppelt an das Braurecht. Der Dorfkrug war damit häufig älter als Schule und Amtshaus — und amtlich gewollt: Ein Dorf brauchte einen Ort zum Verhandeln, Feiern und Streiten. Wer heute den letzten Krug schließt, schließt eine Einrichtung, die Jahrhunderte als unverzichtbar galt.
Merksatz: Der Dorfkrug war amtlich gewollt — älter als Schule und Amtshaus.
Quellen:
DWDS, „Krug“ · Deutsches Rechtswörterbuch — Zwei Belege: das Wort im DWDS, das Krugrecht im Deutschen Rechtswörterbuch der Heidelberger Akademie. Im DWDS steht das Krugrecht ausdrücklich nicht.
Runde 6 · Mythen am Tresen
Was davon stimmt wirklich?
111. Ein gutes Pils braucht sieben Minuten.
Antwort: Falsch — zwei bis drei Minuten reichen
Fachlich gilt: Der ganze Einschenkvorgang dauert zwei bis maximal drei Minuten, danach gehört das Glas in zwei, drei Zügen geleert. Die Sieben-Minuten-Regel stammt aus der Zeit alter Zapfhähne, als ein Pils zudem deutlich mehr Kohlensäure hatte als heute. Nach sieben Minuten ist das Bier nicht besser, sondern schal und zu warm — und Vorzapfen gilt in der Zapfkunde als absolutes Don’t.
Merksatz: Sieben Minuten machen kein besseres Pils, nur ein wärmeres.
Quelle:
HOGAPAGE zur Zapfdauer
112. Das Anstoßen stammt aus dem Mittelalter: Beim kräftigen Anstoßen schwappte Bier ins andere Glas, um eine Vergiftung auszuschließen.
Antwort: Falsch — eine schöne Legende
Die Gift-Herleitung ist nicht eindeutig belegbar — das ist der ehrliche Stand. Es gibt sogar eine konkurrierende Erklärung: Im 16. Jahrhundert galt lautes Gläserklirren als hörbarer Beweis, dass der Gastgeber jedem Gast ein eigenes Glas hinstellen konnte. Das Zutrinken in heutiger Form ist im deutschsprachigen Raum seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar. Die Gift-Geschichte erzählt sich trotzdem weiter, und auch das ist Kneipenkultur: Am Tresen ist die beste Geschichte oft wichtiger als die wahre. Jetzt kennen Sie beide.
Merksatz: Die Gift-Geschichte ist nicht belegt. Erzählt wird sie trotzdem.
Quelle:
Wikipedia, „Zutrinken“ — Bewusste Wikipedia-Ausnahme: Für die Legende und ihre Gegenerklärung gibt es keine institutionelle Fundstelle. Belegt ist hier vor allem, was nicht belegt ist.
113. Der Bierdeckel wurde als Untersetzer erfunden.
Antwort: Falsch — der Name kommt vom Abdecken
Im 19. Jahrhundert tranken wohlhabende Gäste aus Seideln mit Zinn- oder Silberdeckel, einfachere Leute aus Krügen ohne. Als Untersetzer dienten Filze — dieselben Filze, die man im Freien oben auf den Krug legte, damit weder Laub noch Ungeziefer ins Bier fielen. Aus dieser Funktion des Abdeckens stammt der Name. Untersetzer war er also auch, aber heißen tut er nach dem Deckel. Ab etwa 1880 wurde er aus Pappe gefertigt und bedruckt; 1903 startete im Murgtal die industrielle Produktion — und nebenbei seine Karriere als Notizzettel, Rechenblatt und Strichliste.
Merksatz: Der Bierdeckel heißt nach dem Deckel, nicht nach dem Untersetzen.
Quellen:
HOGAPAGE zur Bierdeckel-Geschichte · Wikipedia, „Bierdeckel“ — Der Kern — Bierfilze als Untersetzer und als Abdeckung, der Name vom Abdecken — steht bei HOGAPAGE; Wikipedia trägt die Fertigungsgeschichte ab 1880 bei.
114. „Prost“ ist ein urdeutsches Wort.
Antwort: Falsch — es ist Latein
„Prosit“ ist lateinisch, die dritte Person Singular Konjunktiv von „prodesse“, nützlich sein — wörtlich also „es möge nützen“. Mitte des 16. Jahrhunderts kam das Wort ins Deutsche, zuerst als Wunsch beim Niesen, dann als Zutrunk. Wer anstößt, spricht seither einen kleinen lateinischen Segen, der ursprünglich dem Niesen galt. In diesem Sinne: Prosit — auf die Kneipe.
Merksatz: Prost ist Latein: „es möge nützen“.
Quelle:
DWDS, „prosit“