Spielen lässt es sich hier nur mit eingeschaltetem JavaScript. Zum Nachlesen stehen alle Fragen mit ihren Auflösungen und Quellen aber trotzdem hier — und als Set zum Ausdrucken.
Runde 1 · Die Lage
Wie schlimm ist es wirklich?
1. Im Jahr 2002 gab es in Deutschland rund 46.500 Kneipen. Wie viele sind es heute? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: rund 21.000
Mehr als jede zweite Kneipe ist seit der Jahrtausendwende verschwunden — die Umsatzsteuerstatistik weist für 2022 rund 21.000 Schankwirtschaften aus. Das ist kein schleichender Wandel mehr, sondern ein Strukturbruch. Er macht nur selten Schlagzeilen, weil jede einzelne Schließung klein aussieht.
Merksatz: Seit 2002: mehr als jede zweite Kneipe weg.
Quelle:
Destatis-Umsatzsteuerstatistik (Zeitreihe) — Eine Reihe, eine Quelle: Destatis-Umsatzsteuerstatistik WZ 56.3.
2. Wie viele Kneipen verliert Deutschland im Schnitt — netto, also nach Abzug aller Neueröffnungen? (auch in der kurzen Runde)
- a) eine pro Woche
- b) eine pro Tag
- c) drei pro Tag
- d) zehn pro Tag
Antwort: drei pro Tag
Aus der Destatis-Zeitreihe gerechnet: rund 25.500 Betriebe weniger in zwanzig Jahren, also etwa 1.300 pro Jahr oder gut drei pro Tag. Das ist ein Netto-Wert — Neueröffnungen sind schon abgezogen, es schließen also mehr. Während dieses Quiz läuft, ist rechnerisch gerade wieder ein Stück Dorfmitte verschwunden.
Merksatz: Drei Kneipen pro Tag.
Quelle:
Destatis-Umsatzsteuerstatistik (Zeitreihe) — Eigene Rechnung aus der Destatis-Zeitreihe (46.500 im Jahr 2002 auf rund 21.000 im Jahr 2022).
3. Berlin hatte einmal rund 20.000 Eck- und Kiezkneipen. Wie viele sind es heute noch?
Antwort: etwa 500
Ausgerechnet in der Stadt, die als Kneipenhauptstadt gilt, ist die klassische Eckkneipe fast verschwunden — verdrängt von Mieten, Bars und Cafés. Was bleibt, wird gerade von einer jungen Generation wiederentdeckt.
Merksatz: Berlin: von 20.000 Eckkneipen sind etwa 500 übrig.
Quelle:
DEHOGA Berlin, via Tageskarte
4. In Sachsen-Anhalt gibt es Gemeinden, in denen keine einzige Gaststätte mehr existiert.
Antwort: Richtig — 18 Gemeinden
Zwischen 2010 und 2024 schlossen dort 841 Gastronomiebetriebe; in Kleinstädten verschwand jeder dritte. Keine Gaststätte heißt: kein Ort für die Feuerwehrfeier, den Skatabend, den Leichenschmaus. Das Dorf hat dann buchstäblich kein Wohnzimmer mehr.
Merksatz: 18 Gemeinden in Sachsen-Anhalt: ganz ohne Gaststätte.
Quelle:
Landtagsanfrage Sachsen-Anhalt
5. Wie steht die getränkegeprägte Gastronomie — also die klassische Kneipe — heute wirtschaftlich da, verglichen mit 2019 (real, also nach Abzug der Preissteigerungen)?
- a) etwa gleich
- b) rund 10 Prozent darunter
- c) rund 25 Prozent darunter
- d) rund 40 Prozent darunter
Antwort: rund 40 Prozent darunter — genau minus 39,7 Prozent
Die Kneipe ist das mit Abstand schwächste Segment des gesamten Gastgewerbes; die Branche insgesamt liegt bei minus 14,8 Prozent. Corona war der Brandbeschleuniger, aber nicht die Ursache. Die liegt tiefer: Kosten, Konsumwandel und ein Ausgehverhalten, das sich ins Wohnzimmer und aufs Handy verlagert hat.
Merksatz: Die Kneipe ist das schwächste Glied der Gastronomie: real minus 40 Prozent seit 2019.
Quelle:
DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025
Runde 2 · Die Ökonomie
Warum reicht es hinten und vorne nicht?
6. Ein Bier kostet in der Dorfkneipe 3,00 Euro. Wie viel davon bleibt der Kneipe am Ende als Gewinn? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: etwa 2 Cent
Zuerst gehen 48 Cent Mehrwertsteuer ab — 19 Prozent, denn für Getränke gilt der ermäßigte Satz nicht. Vom Rest bleibt am Ende sehr wenig: Branchenzahlen weisen für die getränkegeprägte Gastronomie eine Marge von minus 2 bis plus 3 Cent je Euro Umsatz aus, auf ein 3-Euro-Bier gerechnet also ein paar Cent — oder ein Minus. Deshalb entscheidet jeder einzelne Stammtisch über Leben und Sterben eines Betriebs.
Merksatz: Vom 3-Euro-Bier bleiben der Kneipe etwa 2 Cent.
Quellen:
DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025 · Gastroinsider, Branchen-Benchmarks — Belegt ist die Marge je Euro Umsatz (minus 2 bis plus 3 Cent). Die 48 Cent Mehrwertsteuer und die Umrechnung auf das 3-Euro-Bier sind eigene Rechnung.
7. Von jedem Euro Umsatz — was ist der größte Kostenblock einer Kneipe?
- a) der Einkauf der Getränke
- b) das Personal
- c) die Pacht
- d) die Energie
Antwort: das Personal — rund 40 Cent von jedem Euro
Der Getränkeeinkauf liegt mit 28 bis 32 Cent knapp dahinter, Pacht und Energie folgen mit deutlichem Abstand. Keine andere Sparte des Gastgewerbes erwirtschaftet so wenig Umsatz je Arbeitskraft wie die Kneipe. Viele Dorfkneipen überleben nur, weil die Wirtin ihren eigenen Lohn nicht mitrechnet — das ist keine Strategie, das ist die Vorstufe der Schließung.
Merksatz: Der größte Posten ist der Mensch hinterm Tresen — und der wird oft nicht bezahlt.
Quellen:
DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025 · BMEL-Statistik Gastgewerbe
8. Die große Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie (7 statt 19 Prozent) hilft vor allem den Kneipen. (auch in der kurzen Runde)
Antwort: Falsch
Die 7 Prozent gelten seit 2026 dauerhaft — aber nur für Speisen. Getränke bleiben bei 19 Prozent, die getränkegeprägte Kneipe profitiert von der größten Gastro-Entlastung der letzten Jahre also kaum. Nebenwirkung mit Ansage: Wer als Kneipe einen Mittagstisch anbietet, hat steuerlichen Rückenwind.
Merksatz: 7 Prozent gibt es nur aufs Schnitzel — das Bier zahlt weiter 19.
Quelle:
Steueränderungsgesetz 2025
9. 2013 trank jeder Mensch in Deutschland im Schnitt 106 Liter Bier im Jahr. Wie viel war es 2023?
Antwort: 88 Liter
Der Rückgang ist kein Kneipen-, sondern ein Gesellschaftstrend — und er ist eine Chance: Wirtinnen berichten, dass alkoholfreie Bestellungen zunehmen, gerade bei jungen Gästen. Die Kneipe der Zukunft lebt von Begegnung, nicht von Promille.
Merksatz: Es geht um Begegnung, nicht um Promille — alkoholfrei bringt neue Gäste.
Quelle:
watson.de-Reportage (Uni Osnabrück)
10. Dartautomat, Flipper, Billardtisch, Musikbox: Was kostet diese Ausstattung eine Kneipe üblicherweise?
- a) den vollen Neupreis
- b) eine Monatsmiete
- c) nichts — der Aufsteller stellt sie kostenlos und teilt sich die Einnahmen
- d) das gibt es nicht mehr
Antwort: nichts — der Aufsteller stellt sie kostenlos
Das Aufsteller-Modell ist so alt wie die Musikbox: Der Automatenaufsteller bringt die Geräte, wartet sie und teilt den Umsatz mit dem Wirt. Null Investition, laufende Zusatzeinnahme. Und ausgerechnet Dart, Kicker und Flipper sind die Magneten, mit denen junge Leute gerade die Kneipe wiederentdecken.
Merksatz: Die Dartscheibe kostet die Kneipe nichts — und bringt die Jungen.
Quellen:
Hotelier.de zum Aufstellvertrag · watson.de-Reportage (Uni Osnabrück)
Runde 3 · Der Mensch
Was macht die Kneipe mit uns?
11. Menschen ohne Stammkneipe haben im Schnitt 6,0 enge Freunde. Wie viele haben Menschen mit Stammkneipe? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: 7,2
Mehr als ein Freund Unterschied — gemessen von der Oxforder Forschungsgruppe um Robin Dunbar. Menschen mit Stammkneipe vertrauen anderen außerdem mehr und sind zufriedener mit ihrem Leben. In kleinen Nachbarschaftskneipen sind Gespräche nachweislich länger und persönlicher als in großen Lokalen.
Merksatz: Stammkneipe: im Schnitt ein enger Freund mehr.
Quellen:
Dunbar u. a. 2017 (begutachtete Fassung) · Dunbar, „Friends on Tap“ (CAMRA) — Zuerst genannt ist die peer-reviewte Fassung von 2017; die Ursprungsstudie war ein Auftragsbericht für die Pub-Organisation CAMRA.
12. Welche Altersgruppe fühlt sich in Deutschland am häufigsten stark einsam? (auch in der kurzen Runde)
- a) die über 75-Jährigen
- b) die 55- bis 65-Jährigen
- c) junge Erwachsene
- d) alle etwa gleich
Antwort: junge Erwachsene — 14,1 Prozent
Der Wert stammt aus dem Einsamkeitsbarometer 2024, Datenstand 2021. Einsamkeit ist kein Alte-Leute-Thema — und genau das erklärt einen der überraschendsten Trends der Gegenwart: Die Generation, die mit dem Handy aufwuchs, entdeckt die Kneipe neu. Dartscheibe statt Bildschirm, echte Runde statt Gruppenchat.
Merksatz: Am einsamsten sind die Jungen — und sie entdecken die Kneipe gerade neu.
Quelle:
Einsamkeitsbarometer 2024 (BMFSFJ)
13. Im Osten Deutschlands fühlen sich die Menschen einsamer als im Westen. (auch in der kurzen Runde)
Antwort: Falsch
Die Daten zeigen keinen Ost-West-Unterschied bei der Einsamkeit; das größte Risiko ist ein niedriges Einkommen. Was im Osten überproportional verschwindet, sind die Orte: In der Uckermark hat zwischen 2010 und 2023 die Hälfte aller Schankwirtschaften geschlossen. Das Problem ist nicht das Gefühl der Menschen — es ist die Infrastruktur der Begegnung.
Merksatz: Der Osten ist nicht einsamer — ihm fehlen die Orte.
Quellen:
DIW-Wochenbericht 5/2025 · Tagesspiegel zur Uckermark
14. Gute soziale Einbindung wirkt auf die Lebenserwartung ungefähr so stark wie …
- a) täglich ein Apfel
- b) ein Fitnessstudio-Abo
- c) mit dem Rauchen aufzuhören
- d) gar nicht messbar
Antwort: mit dem Rauchen aufzuhören
Eine Auswertung von 148 Studien zeigt: Menschen mit starken sozialen Beziehungen haben eine um rund 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit — der Effekt ist so groß wie der eines Rauchstopps. Freundschaften zu pflegen ist Gesundheitsvorsorge. Orte, an denen sie nebenbei entstehen, sind es auch.
Merksatz: Gemeinschaft wirkt wie ein Rauchstopp — nur schmeckt sie besser.
Quelle:
Holt-Lunstad u. a. 2010, PLOS Medicine
15. Chicago, Hitzewelle 1995, über 700 Tote. Zwei fast identische, gleich arme Nachbarviertel hatten völlig unterschiedliche Sterberaten. Was machte den Unterschied?
- a) mehr Geld
- b) mehr Krankenhäuser
- c) mehr Klimaanlagen
- d) belebte Straßen, Läden und Treffpunkte
Antwort: belebte Straßen, Läden und Treffpunkte
Der Befund stammt aus Eric Klinenbergs Untersuchung der Hitzewelle, „Heat Wave“ von 2002: Das Viertel mit intakten Alltagsorten gehörte zu den sichersten der ganzen Stadt, weil Menschen, die sich vom Sehen kennen, nacheinander schauen. Den Begriff „soziale Infrastruktur“ prägte Klinenberg später, in „Palaces for the People“ (2018) — gemeint sind Orte, die so überlebenswichtig sind wie Strom- und Wassernetze. Die Kneipe ist einer davon.
Merksatz: Orte, an denen man sich kennt, retten im Ernstfall Leben.
Quelle:
Klinenberg, „Heat Wave“ / „Palaces for the People“ — Zwei Werke, ein Beleg: der Chicago-Befund aus „Heat Wave“ (2002), der Begriff aus „Palaces for the People“ (2018).
Runde 4 · Das Comeback
Was hilft wirklich?
16. Nordrhein-Westfalen fördert „Dritte Orte“ — Häuser für Kultur und Begegnung auf dem Land — mit bis zu 450.000 Euro über drei Jahre. Was passierte, als die Förderung auslief?
- a) Die meisten Orte trugen sich selbst
- b) Das Land musste eine Anschlussförderung nachschieben
- c) Die Kommunen übernahmen
- d) Das Programm wurde eingestellt
Antwort: Das Land musste eine Anschlussförderung nachschieben
Selbst so großzügig geförderte Orte trugen sich nach drei Jahren nicht selbst — das Land schob eine Stabilisierungsförderung nach: 120.000 Euro über drei weitere Jahre, von Jahr zu Jahr weniger. Die Frage „Wovon lebt der Ort danach?“ muss vom ersten Tag an beantwortet sein.
Merksatz: Nach der Förderung ist vor der Frage: Wovon lebt der Ort dann?
Quelle:
Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW
17. In Großbritannien kaufen Dörfer ihre Pubs gemeinsam — jeder hält einen Anteil. Wie viel Prozent dieser Kneipen in Bürgerhand überleben? (auch in der kurzen Runde)
Antwort: 92 bis 99 Prozent
Fast alle halten sich — zum Vergleich scheitern normale Gastronomie-Gründungen reihenweise. Der Mitbesitz selbst ist der Überlebensfaktor: Wer 500 Euro gezeichnet hat, kommt auch am Donnerstag, bringt die Nachbarn mit und lässt „seine“ Kneipe nicht fallen. Der Weg dahin ist allerdings lang — nur eine von neun Gruppen schafft die Übernahme überhaupt.
Merksatz: Wer mitbesitzt, kommt auch donnerstags.
Quellen:
Morning Advertiser 2026 · Plunkett UK, Community Pubs 2024
18. Ein britisches Programm fördert Pubs mit kleinen Zuschüssen plus Beratung durch Branchenprofis. Wie viel Nutzen für die Gemeinschaft stiftet dort jedes investierte Pfund? (auch in der kurzen Runde)
- a) etwa 1 Pfund
- b) etwa 3 Pfund
- c) über 8 Pfund
- d) etwa 20 Pfund
Antwort: über 8 Pfund
Der Trick ist nicht das Geld, sondern die Kombination: kleiner Zuschuss plus Wissen. Die Gegenprobe lieferte Österreich — dort bekamen Wirtshäuser bis zu 10.000 Euro ohne Auswahl und ohne Begleitung, und von 57 geförderten Lokalen war rund jedes fünfte bald wieder zu. Gleiche Summe, ohne Begleitung: verpufft.
Merksatz: Beratung vor Geld — Geld allein rettet keine Kneipe.
Quellen:
gov.uk zu Pub is The Hub · WKO zur Wirtshausprämie · profil zur Wirtshausprämie
19. Frankreich belebt mit dem Programm „1000 cafés“ Dorfcafés wieder. Wie viel Prozent des Budgets fließen dort in die Begleitung der Wirtsleute — Auswahl, Training, Netzwerk?
Antwort: 71 Prozent
71 Prozent des Budgets sind Begleitpersonal — fast drei Viertel des Geldes gehen in Menschen, nicht in Mauern. Die Franzosen haben verstanden, was alle erfolgreichen Programme eint: Die Wirtsperson ist das Nadelöhr — und die wichtigste Investition.
Merksatz: Menschen statt Mauern.
Quelle:
Groupe SOS, „1000 cafés“ 2024
20. Der Politikwissenschaftler Oliviero Angeli (TU Dresden) bringt es auf einen Satz: „Entscheidend ist nicht das Bier, sondern …“ (auch in der kurzen Runde)
- a) der Preis
- b) die Öffnungszeit
- c) die Lage
- d) die Begegnung
Antwort: die Begegnung
Kneipen sind Infrastruktur gegen Polarisierung: Dort begegnen sich Menschen, die sonst wenig miteinander zu tun haben, und reden über den fehlenden Radweg statt über die großen Empörungsthemen. Wer zuhört, korrigiert die eigenen Vorurteile. Genau deshalb ist das Kneipensterben mehr als ein Branchenproblem — und das Comeback mehr als Nostalgie.
Merksatz: Entscheidend ist nicht das Bier, sondern die Begegnung.
Quelle:
Angeli (TU Dresden), dpa/ZEIT