Die verschwindende Karte · Methodik
So haben wir gezählt
Die Karte zeigt echte amtliche Zahlen — und ein paar bewusste Vereinfachungen. Hier steht, was echt ist, was geschätzt ist und wo die Zählung ihre Grenzen hat.
Woher die Zahlen kommen
Alle Bestandszahlen auf der Karte kommen aus einer amtlichen Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen), Statistik 73311. Wir nutzen zwei Tabellen: 73311-0002 für Deutschland (ab 2009) und 73311-0011 für die Bundesländer (ab 2014), jeweils das Merkmal „Umsatzsteuerpflichtige“ (STR040). Abgerufen am 02.08.2026 aus der Genesis-Datenbank von Destatis.
Gezählt wird der Wirtschaftszweig WZ 56.30.1 „Schankwirtschaften“ — die amtliche Kategorie, die der Kneipe am nächsten kommt. „Kneipe“ selbst ist keine amtliche Kategorie. Danach gab es 2009 bundesweit 36.669 Schankwirtschaften, 2024 noch 21.822.
Zur Einordnung: Die Sammelgruppe WZ 56.3 enthält zusätzlich Bars, Diskotheken und Vergnügungslokale. Sie ging im selben Zeitraum von 47.506 (2009) auf 32.610 (2024) zurück.
Der Knick im Jahr 2020
2020 wurde die Kleinunternehmergrenze von 17.500 auf 22.000 € Vorjahresumsatz angehoben, gleichzeitig traf Corona die Branche — der Einbruch 2020/2021 ist dadurch überzeichnet.
Was das für die Kurve heißt: Wer unter der Grenze bleibt, gibt keine Voranmeldung ab — und fällt aus der Statistik, obwohl die Tür weiter offen ist. Der Knick 2020 ist deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar. Am Zeitregler der Karte ist die Stelle markiert.
Was diese Zählung nicht sieht
Wir zählen, was das Finanzamt sieht — nicht jede Theke. Drei Lücken muss man kennen:
- Kleinunternehmer unter der Umsatzgrenze tauchen gar nicht auf.
- Gezählt werden Unternehmen, nicht Betriebsstätten: Eine GmbH mit zwei Kneipen steht als eine in der Statistik.
- Wer die Umsatzsteuer nur einmal im Jahr erklärt, ohne Voranmeldung, fehlt ebenfalls.
Die echte Kneipenzahl liegt deshalb eher höher als unsere Zahl. Am Trend ändert das nichts: Diese Lücken gab es in jedem Jahr der Reihe.
Die Länderwerte vor 2014
Die Bundesreihe beginnt 2009, die Länderreihe erst 2014. Für die Jahre davor gilt: Länderwerte 2009–2013 nach Länder-Anteilen 2014 geschätzt. Die Bundeszahl je Jahr ist also echt — geschätzt ist nur ihre Aufteilung auf die Länder, nach den Anteilen von 2014. In der Länder-Ansicht der Karte sind diese Jahre entsprechend gekennzeichnet.
Die Punkte auf der Karte
Jeder Punkt steht für eine Kneipe. Wo genau er liegt, ist schematisch — die Anzahl pro Bundesland und Jahr ist echt.
Es gibt keine historischen Adressdaten einzelner Kneipen; wir verteilen die amtliche Anzahl je Bundesland schematisch in der Landesfläche. Auf langsamen Geräten schalten wir herunter — dann gilt: „Ein Punkt steht für 5 Kneipen.“ Dieser Hinweis steht in dem Fall sichtbar unter der Karte.
Die Kartengrundlage
Umriss und Ländergrenzen: © GeoBasis-DE / BKG, dl-de/by-2-0 (Daten verändert). Bezogen über opendatalab.de als vereinfachte Bundesländergrenzen auf Basis des amtlichen Datensatzes VG250. Die Datei liegt auf unserem Server — die Karte lädt nichts von fremden Servern nach.
Der Ton
Das Stimmengewirr hinter der Karte ist die Aufnahme „General Chatter In Bar“ von squareal (freesound.org), freigegeben als CC0 / Public Domain. Wir haben sie gekürzt und als Loop aufbereitet. Der Ton startet nie von allein: Er ist strikt Opt-in und jederzeit wieder abschaltbar.
Die Regional-Fakten
Die kurzen Regional-Fakten in der Länder-Ansicht stammen nicht aus der Umsatzsteuerstatistik, sondern aus eigenen Quellen: Landtagsanfragen, Verbandszahlen, Presseberichte. Deshalb trägt jeder dieser Fakten seine Fußnote direkt am Satz — dort steht, woher er kommt.